Als ich im Jahr 2021 Deutschland verließ und nach Mexiko auswanderte, hielten mich manche Menschen für verrückt. Andere glaubten, ich würde nach einigen Monaten wieder zurückkehren. Und wieder andere konnten schlicht nicht verstehen, warum jemand freiwillig ein Land wie Deutschland verlassen sollte, um in Mexiko zu leben. Ehrlich gesagt hätte ich mir einige Jahre zuvor selbst nicht vorstellen können, einmal dauerhaft nach Mexiko auszuwandern.

Der Palacio de Bellas Artes in Mexiko-Stadt mit seiner Marmorfassade und der bunten Kuppel
Der Palacio de Bellas Artes in Mexiko-Stadt – das wichtigste Kulturhaus des Landes.

Als ich Mexiko-Stadt im Jahr 2018 zum ersten Mal besuchte, war ich zunächst alles andere als begeistert. Einige Monate zuvor war ich in Tokio gewesen – ebenfalls eine riesige Metropole mit Millionen Einwohnern. Große Städte waren mir schon immer eher unheimlich. Laut, hektisch und voller Menschen. Dass ausgerechnet Mexiko wenige Jahre später meine neue Heimat werden würde, hätte ich damals niemals gedacht.

Heute, mehrere Jahre später, kann ich sagen: Die Auswanderung nach Mexiko war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Dieser Artikel soll allerdings keine allgemeine Auswanderungsempfehlung sein. Mexiko ist nicht für jeden geeignet. Das Land hat Probleme, Schwächen und Herausforderungen. Aber Mexiko ist auch viel mehr als die Schlagzeilen über Drogenkartelle und Gewalt, die man in Europa häufig sieht.

Mexiko ist ein Land voller Gegensätze, Chancen und Möglichkeiten. Und genau deshalb möchte ich erklären, warum ich ausgewandert bin – und warum ich es bis heute nicht bereue.

Von Deutschland nach Mexiko: Wie alles begann

Die Estrella de Puebla, ein 80 Meter hohes transportables Riesenrad in Puebla
Das Estrella de Puebla: Mit 80 Metern das größte transportable Riesenrad der Welt, bestätigt durch einen Guinness-Weltrekord.

Bevor ich tatsächlich auswanderte, war ich bereits mehr als fünfzehnmal in Mexiko. Ich arbeitete als On Board Courier und flog regelmäßig um die Welt. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, zahlreiche Länder kennenzulernen – und eben auch Mexiko.

Ich bereiste Städte wie Mexiko-Stadt, Guadalajara, Monterrey und Nuevo Laredo. Während der COVID-19-Pandemie arbeitete ich für ein internationales Logistikunternehmen mit Kunden in Mexiko und verlängerte meine dienstlichen Aufenthalte häufig privat. Dadurch lernte ich weitere Regionen kennen – von Puebla über Cancún bis nach Playa del Carmen. Auf einer dieser Reisen lernte ich schließlich auch meine mexikanische Freundin kennen, mit der ich bis heute zusammen bin.

Mit jeder Reise veränderte sich mein Blick auf Mexiko: Ich erkannte, dass Mexiko nicht das Land ist, das viele Menschen in Europa vor Augen haben. Es ist nicht nur Cancún. Es ist nicht nur Mexiko-Stadt. Und es ist schon gar nicht nur Kriminalität.

Mexiko ist unglaublich vielfältig.

Inzwischen habe ich zahlreiche Landesteile von Mexiko besucht.

Mexiko ist nicht für jeden – aber fast jeder findet hier seinen Platz

Palmen am Sandstrand von Puerto Escondido im Bundesstaat Oaxaca mit Blick auf den Pazifik
Der Strand von Puerto Escondido im Bundesstaat Oaxaca.

Wenn mich heute jemand fragt, ob ich Mexiko jedem empfehlen würde, lautet meine Antwort ganz klar: Nein. Mexiko ist nicht für jeden.

Wer perfekte Straßen erwartet und sich über jedes Schlagloch aufregt, wird hier vermutlich nicht glücklich werden. Wer erwartet, dass der Staat sich um jede Kleinigkeit kümmert und jede Entscheidung abnimmt, wird ebenfalls enttäuscht werden. Und wer nach Mexiko auswandert, aber nicht bereit ist, Spanisch zu lernen, wird langfristig Probleme bekommen, denn viele Mexikaner sprechen kaum Englisch.

Gleichzeitig glaube ich aber, dass fast jeder in Mexiko einen Ort finden kann, der zu seinem Lebensstil passt.

Mexiko ist riesig. Vom Norden bis zum Süden sind es mehr als 3.200 Kilometer. Das Land verfügt über unterschiedliche Kulturen, verschiedene Klimazonen, moderne Millionenstädte, Kolonialorte, Wüsten, Strände, Hochgebirge und tropische Regionen.

  • Wer Natur liebt, findet Vulkane und Wälder.
  • Wer Kultur mag, findet Museen und archäologische Stätten.
  • Wer Abenteuer sucht, kann Berge besteigen oder durch die Wüste fahren.
  • Wer das Meer liebt, findet tausende Kilometer Küste.
  • Wer Großstädte mag, wird in Mexiko-Stadt, Monterrey, Guadalajara oder Puebla auf seine Kosten kommen.

Mexiko ist nicht einfach nur ein Land – es ist fast ein eigener Kontinent.

Das Wetter: Einer der Hauptgründe für meine Auswanderung

Farbige Kolonialfassaden in der Altstadt von Puebla mit den Türmen der Kathedrale im Hintergrund
Altstadt von Heroica Puebla de Zaragoza, Hauptstadt des Bundesstaats Puebla.

Einer der Gründe, warum ich mich heute in Mexiko so wohlfühle, ist das Klima. Ich lebe im Bundesstaat Puebla, im mexikanischen Hochland, rund 100 Kilometer von Mexiko-Stadt entfernt. Die Region liegt auf über 2.300 Metern Höhe und bietet für mich nahezu perfekte Bedingungen.

Tagsüber bewegen sich die Temperaturen häufig zwischen 20 und 30 Grad Celsius. Extreme Hitze oder eisige Winter gibt es nur selten. Weder eine Heizung noch eine Klimaanlage sind zwingend erforderlich.

Viele Menschen verbinden Mexiko automatisch mit tropischer Hitze. Dabei besitzt das Land insgesamt fünf verschiedene Klimazonen.

Während die Karibik und die Pazifikküste meist heiß und feucht sind, ist der Norden des Landes häufig trocken und heiß. Das Hochland dagegen bietet in vielen Regionen ganzjährig angenehme Temperaturen. Genau diese Vielfalt macht Mexiko so besonders.

Die Menschen und ihre Lebensfreude

Luftaufnahme einer türkisfarbenen Lagune im Bundesstaat Quintana Roo nahe der Grenze zu Belize
Bundesstaat Quintana Roo nahe der Grenze zu Belize.

Was mich aber noch mehr beeindruckt hat als das Wetter, sind die Menschen. Ich habe in anderen Teilen der Welt selten so viele freundliche und offene Menschen auf engem Raum erlebt wie in Mexiko.

Natürlich gibt es auch hier schwierige Menschen. Aber insgesamt empfinde ich die Mexikaner als ausgesprochen herzlich und gastfreundlich. Besonders beeindruckt mich die Lebensfreude vieler Menschen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass viele Mexikaner verstanden haben, dass Glück nicht ausschließlich vom Kontostand abhängt.

Diese Offenheit wird übrigens auch durch internationale Studien bestätigt. Im Expat-Ranking „Expats Insider 2026“ von InterNations belegte Mexiko weltweit den zweiten Platz. Besonders bemerkenswert ist, dass Mexiko beim Thema Integration sogar den ersten Platz erreichte. 73 Prozent der Befragten gaben an, dass es leicht sei, lokale Freunde zu finden. Weltweit liegt dieser Wert bei lediglich 39 Prozent. Zur InterNations-Umfrage später noch mehr.

Freiheit und Eigenverantwortung

Ein weiterer Grund, warum ich mich in Mexiko wohlfühle, ist die größere Eigenverantwortung.

Der mexikanische Staat greift in viele Lebensbereiche deutlich weniger ein als der deutsche Staat. Solange man sich an Gesetze hält und andere Menschen respektiert, wird man im Alltag oft einfach in Ruhe gelassen. Das Leben in Mexiko und der Alltag sind weniger durchreguliert als in den meisten europäischen Ländern.

Natürlich hat diese Freiheit auch Nachteile.

Man muss viele Dinge selbst organisieren. Bürokratische Prozesse können kompliziert sein. Nicht alles ist perfekt geregelt.

Aber genau diese Freiheit empfinde ich persönlich als Bereicherung.

Gesundheitssystem: Besser als viele denken

Adrian Roth erhält 2021 in einem mexikanischen Impfzentrum eine Impfung gegen COVID-19
2021 in Mexiko: Die kostenlose Impfung gegen COVID-19, auch für Ausländer.

Viele Europäer gehen automatisch davon aus, dass das Gesundheitssystem in Mexiko schlecht sei.

Meine Erfahrungen sind deutlich differenzierter.

Mexiko verfügt über eine staatliche Gesundheitsversorgung, die grundsätzlich auch Ausländern offensteht. Als ich mir einmal den Fuß verletzte, wurde ich in einem staatlichen Krankenhaus kostenlos behandelt – und schneller als bei vergleichbaren Erfahrungen in Deutschland. Außerdem habe ich mich in Mexiko kostenlos gegen COVID-19 und weitere Krankheiten impfen lassen.

Natürlich bedeutet das nicht, dass das staatliche System perfekt wäre. Wer es sich leisten kann, greift häufig auf private Ärzte und Krankenhäuser zurück. Dort erlebt man teilweise einen Service, der über deutsche Standards hinausgeht – allerdings zu entsprechenden Preisen. Und auch hier ist die Regulierung – beispielsweise bezüglich der Behandlungskosten – geringer, weshalb es sich empfiehlt, die Kosten im Vorfeld abzuklären.

Eine private Krankenversicherung halte ich trotz fehlender genereller Versicherungspflicht für sinnvoll.

Moderne Infrastruktur: Mexiko wird oft unterschätzt

Viele Menschen glauben, Mexiko sei technologisch rückständig. Die Realität sieht anders aus.

Glasfaser und Telekommunikation

64,5 Prozent aller Festnetzanschlüsse in Mexiko basieren auf Glasfaser. In Deutschland liegt dieser Anteil bei lediglich rund 16,5 Prozent. Der mexikanische Telekommunikationskonzern América Móvil zählt mit über 410 Millionen Kunden und mehr als 1,3 Millionen Kilometern Glasfaserkabel zu den größten Telekommunikationsunternehmen der Welt, noch vor seinem deutschen Konkurrenten.

Die Plaza Carso in Mexiko-Stadt mit dem Museo Soumaya und dem Telcel-Turm
Plaza Carso in Mexiko-Stadt: Hauptsitz von Telmex und América Móvil, Mutterkonzern von Telcel und eines der größten Telekommunikationsunternehmen der Welt mit Aktivitäten in 23 Ländern.

Banken und FinTechs

Die Glaskuppel der mexikanischen Wertpapierbörse BMV an der Avenida Paseo de la Reforma in Mexiko-Stadt
Mexikanische Wertpapierbörse BMV in der Avenida Paseo de la Reforma in Mexiko-Stadt.

Auch das Finanzsystem ist moderner, als viele Menschen vermuten. Internationale Banken wie Santander, BBVA, HSBC und Scotiabank sind ebenso vertreten wie große mexikanische Banken.

Besonders beeindruckend ist die Entwicklung des FinTech-Sektors: In Mexiko existieren inzwischen mehr als 1.000 FinTech-Unternehmen, etwa ein Drittel davon sind Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen.

Internationale Überweisungen sind unkompliziert, Kreditkartenprogramme mit Cashback und Bonusmeilen weit verbreitet und sowohl Banken als auch FinTechs verfügen über Einlagensicherungssysteme.

Flughäfen und Verkehr

Gondeln der Cablebús Línea 2 über den Dächern des Stadtteils Iztapalapa in Mexiko-Stadt
Die Cablebús Línea 2 in Iztapalapa: Mit 10,6 Kilometern und sieben Stationen die längste urbane Seilbahn – Teil des öffentlichen Nahverkehrs von Mexiko-Stadt.

Mexiko verfügt über rund 80 kommerzielle Flughäfen.

Täglich gibt es ungefähr 3.000 Inlandsflüge sowie fast 800 Verbindungen in die USA und nach Kanada. Allein Mexiko-Stadt und Cancún bieten jeweils mehr als ein Dutzend Direktverbindungen nach Europa pro Tag. Landesweit existieren rund fünfzig Direktflüge nach Europa täglich.

Darüber hinaus investiert Mexiko massiv in die Eisenbahninfrastruktur. Mit dem Tren Maya entstanden in nur dreieinhalb Jahren mehr als 1.500 Kilometer neue Bahnstrecken. Gleichzeitig entstehen mit dem Tren Interoceánico und weiteren Projekten wichtige Verkehrsverbindungen zwischen verschiedenen Regionen des Landes.

Mexiko wird wirtschaftlich massiv unterschätzt

Der neue Bahnhof Estación Chetumal des Tren Maya im Bundesstaat Quintana Roo
Der neue Bahnhof des Tren Maya in Chetumal, Quintana Roo.

Viele Menschen in Europa betrachten Mexiko noch immer als Entwicklungsland. Dabei war Mexiko 2025 – gemessen am Bruttoinlandsprodukt – die dreizehntgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Das USMCA-Abkommen – der Nachfolger des ehemaligen NAFTA-Abkommens – verbindet die drei Länder zum gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt größten Wirtschaftsraum der Welt. Darüber hinaus verfügt Mexiko über Freihandelsabkommen mit insgesamt 52 Staaten.

Die Zahlen sind beeindruckend:

  • Mexiko ist inzwischen der größte Handelspartner der Vereinigten Staaten.
  • Im Jahr 2025 exportierte Mexiko Waren im Wert von rund 539 Milliarden US-Dollar in die USA. Gleichzeitig importierte das Land Waren im Wert von rund 338 Milliarden US-Dollar aus den Vereinigten Staaten.
  • Mehr als 11.000 europäische Unternehmen – darunter rund 2.100 deutsche Unternehmen – haben inzwischen in Mexiko investiert. Hinzu kommen rund 18.000 US-amerikanische und etwa 1.300 chinesische Unternehmen.
  • Im Jahr 2025 exportierte Mexiko rund 3,39 Millionen Fahrzeuge und lag damit gemessen an den Stückzahlen sogar vor Deutschland.
Eine Oxxo-Filiale direkt an der Küste von Boca del Río im Bundesstaat Veracruz
Ein Oxxo an der Atlantikküste von Boca del Río, Veracruz. Die Kette gehört zu FEMSA, dem weltweit größten Franchise-Abfüller der Coca-Cola Company – in Europa unter anderem mit k kiosk, BackWerk, Ditsch, Brezelkönig sowie Press & Books vertreten.

Wer Mexiko lediglich auf Sombreros, Strände und Kartelle reduziert, unterschätzt die wirtschaftliche Bedeutung des Landes gewaltig.

Immer mehr Unternehmen verlagern Produktion und Dienstleistungen nach Mexiko. Dieses sogenannte Nearshoring gehört zu den wichtigsten wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre. Tausende Unternehmen möchten näher am amerikanischen Markt produzieren und profitieren gleichzeitig von vergleichsweise niedrigen Kosten, gut ausgebildeten Arbeitskräften und keinen oder niedrigen Zöllen beim Export in die USA.

Zahlreiche mexikanische Unternehmen sind inzwischen außerdem in anderen Ländern investiert.

Warum Unternehmer Mexiko zunehmend entdecken

Mexiko ist keine klassische Steueroase und sollte auch nicht als solche betrachtet werden. Dennoch bietet das Land in bestimmten Fällen interessante steuerliche und unternehmerische Rahmenbedingungen – insbesondere für Freelancer, international tätige Unternehmer und exportorientierte Unternehmen. Eine individuelle Beratung ist jedoch unerlässlich.

Staatsquote und Staatsfinanzen: Warum Mexiko anders funktioniert

Gepflasterte Gasse mit Natursteinhäusern und Ladenschildern in Val’Quirico im Bundesstaat Tlaxcala
Val’Quirico im Bundesstaat Tlaxcala – ein künstlich angelegtes Dorf im toskanischen Baustil.

Ein Aspekt, der in Europa oft unterschätzt wird, sind die Staatsfinanzen Mexikos. Die Staatsquote – also der Anteil der staatlichen Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt – lag im Jahr 2025 bei lediglich 29,8 Prozent. In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum bereits 50,3 Prozent. In Frankreich nähert sich die Staatsquote sogar der Marke von 60 Prozent.

Das bedeutet: Während in Deutschland inzwischen mehr als jeder zweite Euro vom Staat ausgegeben wird, ist es in Mexiko nur etwa jeder dritte Euro.

Auch die Staatsverschuldung fällt niedriger aus. Je nach Berechnung lag sie im Jahr 2025 zwischen 52,6 und knapp 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit unter dem deutschen Niveau von rund 63,5 Prozent.

Für mich persönlich trägt diese vergleichsweise niedrige Staatsquote dazu bei, dass Mexiko vielerorts unternehmerischer, flexibler und stärker von Eigenverantwortung geprägt ist.

Der Peso: Überraschend stabil

Ehemaliger Gießpfannen-Brunnen im Parque Fundidora in Monterrey, Nuevo León
Der Parque Fundidora in Monterrey, Nuevo León – eine der bedeutendsten Industriestädte Mexikos.

Viele Europäer glauben, Währungen in Lateinamerika würden zwangsläufig ständig an Wert verlieren.

Beim mexikanischen Peso trifft das zumindest in den vergangenen Jahren nicht zu. Ganz im Gegenteil: In den letzten fünf Jahren hat der Peso gegenüber dem Euro und vielen anderen Währungen über weite Strecken deutlich an Wert gewonnen beziehungsweise sich bemerkenswert stabil entwickelt. Gründe dafür sind unter anderem die starke Integration Mexikos in die nordamerikanische Wirtschaft, das Nearshoring, hohe Direktinvestitionen und eine vergleichsweise konservative Geldpolitik.

Für europäische Auswanderer bedeutet das gleichzeitig, dass Mexiko nicht automatisch jedes Jahr günstiger wird. Wer sein Einkommen in Euro erzielt, musste in den vergangenen Jahren sogar feststellen, dass die Kaufkraft teilweise gesunken ist.

Lebenshaltungskosten: Günstig – aber nicht überall

Viele Menschen glauben, Mexiko sei grundsätzlich billig. Das stimmt aber nur teilweise.

Wer in den exklusiven Vierteln von Mexiko-Stadt wie Polanco oder Santa Fe leben möchte, zahlt teilweise sogar höhere Preise als in Europa. Außerhalb der großen Metropolen und Touristenzentren können die Lebenshaltungskosten jedoch deutlich niedriger sein als in Deutschland. Besonders lokale Produkte und Dienstleistungen sind oft günstiger. Importierte Waren sind dagegen häufig teurer.

Rechtssystem und Rechtsstaatlichkeit in Mexiko

Adrian Roth vor dem Guadalajara-Schriftzug im Bundesstaat Jalisco
Zu Besuch in Guadalajara im Bundesstaat Jalisco.

Die mexikanische Verfassung von 1917 gehört zu den ältesten noch geltenden Verfassungen der Welt und bildet bis heute die Grundlage des politischen und rechtlichen Systems des Landes. Sie garantiert unter anderem die Gewaltenteilung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative sowie grundlegende Freiheits- und Eigentumsrechte.

Das mexikanische Rechtssystem basiert – ebenso wie das deutsche Recht – auf der Tradition des kontinentaleuropäischen Zivilrechts. Gesetze und kodifizierte Normen stehen im Mittelpunkt der Rechtsordnung. Das Privatrecht, das Strafrecht und das Verwaltungsrecht sind in umfangreichen Gesetzen geregelt und werden durch eine Vielzahl bundes- und einzelstaatlicher Vorschriften ergänzt. Der Föderalismus – bestehend aus 32 Einheiten – ist teilweise noch stärker ausgeprägt als in Deutschland.

Darüber hinaus verfügt Mexiko über ein unabhängiges Verfassungsgerichtssystem unter der Leitung des Obersten Gerichtshofs (Suprema Corte de Justicia de la Nación). Bürger können sich unter bestimmten Voraussetzungen mit der sogenannten Acción de Amparo gegen staatliche Eingriffe und Verletzungen ihrer Grundrechte zur Wehr setzen. Dieses Rechtsmittel gilt als eines der wichtigsten Instrumente des mexikanischen Verfassungsrechts und dient dem Schutz individueller Freiheitsrechte gegenüber staatlichem Handeln.

Gleichzeitig steht der mexikanische Rechtsstaat weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Korruption, lange Verfahrensdauern, regionale Unterschiede bei der Durchsetzung des Rechts und die Einflussnahme organisierter Kriminalität stellen insbesondere in einzelnen Bundesstaaten ernsthafte Probleme dar.

Dennoch wäre es falsch, Mexiko pauschal als „rechtsfreien Raum“ zu bezeichnen. Internationale Unternehmen investieren jedes Jahr Milliardenbeträge in Mexiko, Millionen von Verträgen werden täglich geschlossen und Gerichte entscheiden laufend über wirtschaftliche, zivilrechtliche und verwaltungsrechtliche Streitigkeiten. Die Realität ist deutlich komplexer, als viele Klischees vermuten lassen.

Demokratie und Meinungsfreiheit in Mexiko

Der Grenzzaun zwischen Kalifornien und Baja California, der am Pazifikstrand bei Tijuana ins Meer läuft
Die Grenze zwischen Kalifornien (USA) und Baja California (Mexiko) am Pazifik.

Mexiko ist eine föderale Demokratie mit Gewaltenteilung und freien Wahlen. Artikel 39 der mexikanischen Verfassung bestimmt, dass die nationale Souveränität vom Volk ausgeht und dass jede öffentliche Gewalt vom Volk ausgeübt wird und ihm dient.

Meinungsfreiheit (Artikel 6), Presse- und Medienfreiheit (Artikel 7), Petitionsrecht (Artikel 8) sowie Versammlungsfreiheit (Artikel 9) sind durch die mexikanische Verfassung garantiert. Außerdem verbietet die Verfassung grundsätzlich eine Vorzensur und garantiert das Recht, Informationen und Ideen über jedes Medium frei zu verbreiten.

In Mexiko existiert eine vergleichsweise lebendige politische Debatte. Das Land verfügt über ein Mehrparteiensystem, eine unabhängige Wahlbehörde und eine vielfältige Medienlandschaft. Besonders überrascht hat mich jedoch die Offenheit, mit der politische Diskussionen im Alltag geführt werden. Politik wird in Mexiko leidenschaftlich diskutiert – auf der Straße, in Restaurants, in den sozialen Medien und im Familienkreis. Unterschiedliche Meinungen gehören zum gesellschaftlichen Leben und werden oft deutlich entspannter ausgetragen, als ich es aus Deutschland kenne.

Auch die Meinungsfreiheit genießt in Mexiko einen hohen Stellenwert. Kritik an Politikern und öffentlichen Institutionen gehört zum Alltag und wird in den Medien sowie in sozialen Netzwerken offen geäußert. Gleichzeitig endet die Meinungsfreiheit – wie in den meisten demokratischen Rechtsstaaten – dort, wo falsche Tatsachenbehauptungen, Verleumdung oder die Verletzung der Rechte anderer beginnen.

Mexikos Außenpolitik

Die Plaza de la Libertad in Tampico im Bundesstaat Tamaulipas mit dem Hotel Sevilla
Plaza de la Libertad in Tampico, Tamaulipas.

Ein Aspekt, über den nur selten gesprochen wird, ist die außenpolitische Ausrichtung Mexikos.

Die mexikanische Außenpolitik basiert traditionell auf den Prinzipien der Nichteinmischung, der nationalen Souveränität und der friedlichen Beilegung internationaler Konflikte. Diese Grundsätze sind sogar in Artikel 89 der mexikanischen Verfassung verankert.

Für mich persönlich ist das ein interessanter Aspekt, denn Mexiko beteiligt sich als neutraler Staat traditionell nur sehr zurückhaltend an internationalen Konflikten, nimmt gelegentlich jedoch eine vermittelnde Rolle ein.

Warum Mexiko bei Expats so beliebt ist

Meine positiven Erfahrungen sind übrigens keineswegs nur subjektiv.

Laut der Studie „Expats Insider 2026“ von InterNations belegt Mexiko weltweit den zweiten Platz unter den beliebtesten Auswanderungsländern. Deutschland landet dagegen lediglich auf Rang 30 – dem vorletzten Platz.

Besonders bemerkenswert sind die einzelnen Ergebnisse:

  • Platz 1 bei der Integration von Auswanderern;
  • Platz 1 bei der Freundlichkeit der Bevölkerung;
  • Platz 1 beim Finden neuer Freunde;
  • 73 Prozent der Befragten sagen, dass es leicht sei, lokale Freundschaften aufzubauen;
  • 81 Prozent empfinden ihr Einkommen als ausreichend für ein komfortables Leben;
  • 73 Prozent sind mit ihrer finanziellen Situation zufrieden;
  • Mexiko erreicht Spitzenwerte bei Klima, Kultur und Lebensqualität;
  • auch die beruflichen Perspektiven werden überdurchschnittlich positiv bewertet.

Diese Ergebnisse decken sich erstaunlich gut mit meinen eigenen Erfahrungen.

Auch in den Vorjahren rangierte Mexiko bei den Umfragen „Expats Insider“ von InterNations stets auf den oberen drei Plätzen.

Ist Mexiko gefährlich?

Die Sonnenpyramide der archäologischen Zone Teotihuacán im Bundesstaat Mexiko
Die archäologische Zone Teotihuacán im Bundesstaat Mexiko.

Kommen wir zur wahrscheinlich häufigsten Frage.

Ja, Mexiko hat ein Kriminalitätsproblem.

Das zu leugnen wäre unehrlich.

Aber Mexiko ist nicht überall gefährlich.

Zwischen dem Norden und Süden des Landes liegen mehr als 3.200 Kilometer. Die Sicherheitslage unterscheidet sich erheblich zwischen den einzelnen Regionen. Während einige Bundesstaaten mit erheblichen Problemen kämpfen, erreichen Städte wie Mérida Sicherheitswerte, die mit europäischen Großstädten vergleichbar sind.

Auch innerhalb Mexiko-Stadts ist die Sicherheitslage sehr verschieden – bei einer Metropolregion mit rund 22 Millionen Einwohnern ist das aber kaum überraschend.

Die meisten Gewaltverbrechen stehen im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität. Für normale Einwohner und Auswanderer bedeutet das vor allem, dass man sich von kriminellen Kreisen fernhalten und den gesunden Menschenverstand nutzen sollte.

Wie überall auf der Welt sollte man Wertsachen nicht unnötig zur Schau stellen, nachts vorsichtig sein und sich über die jeweilige Region informieren.

Mexiko hat Nachteile – und das sollte man offen sagen

Blick über die Hotelzone von Cancún auf das türkisfarbene Karibische Meer
Cancún im Bundesstaat Quintana Roo ist ein internationaler Touristenhotspot.

Natürlich gibt es Dinge, die mich in Mexiko manchmal stören.

Schlaglöcher gehören dazu.

Korruption existiert weiterhin. Auch die Sprachbarriere sollte man nicht unterschätzen.

Wer dauerhaft in Mexiko leben möchte, sollte Spanisch lernen. Englisch allein reicht außerhalb touristischer Zentren und gewisser Expat-Bubbles häufig nicht aus.

Mexiko ist deshalb sicherlich nicht für jeden geeignet.

Mein Fazit

Der Strand von Boca del Río im Bundesstaat Veracruz mit Blick auf die Skyline
Der Strand von Boca del Río im Bundesstaat Veracruz.

Bereue ich meine Auswanderung? Ganz klar: Nein.

Seit meinem Umzug nach Mexiko habe ich nicht nur ein neues Zuhause gefunden, sondern auch eine andere Perspektive auf das Leben entwickelt.

Ich habe gelernt, dass Lebensqualität weit mehr bedeutet als perfekt asphaltierte Straßen. Ich habe ein Land kennengelernt, das wirtschaftlich dynamischer, technologisch moderner und kulturell vielfältiger ist, als viele Menschen in Europa glauben.

Mexiko ist nicht perfekt. Deutschland ist es auch nicht.

Für mich persönlich passen die Menschen, das Klima, die Freiheit und die Möglichkeiten in Mexiko jedoch besser zu meinem Lebensstil.

Und genau deshalb bereue ich meine Auswanderung bis heute keine einzige Sekunde.